SÖG026 Eiszeit = Kaltzeit?

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Eiszeit = Kaltzeit?
Um es vorwegzunehmen: „Eiszeit“ und „Kaltzeit“ werden häufig synonym gebraucht, wobei „Kaltzeit“ ein Fachbegriff ist und „Eiszeit“ eher umgangssprachlich verwendet wird. 


Um die klimatisch unterschiedlichen Phasen der Erdgeschichtezu beschreiben, verwenden Fachleute folgende Begriffe:
  1. Eiszeitalter wird ein Abschnitt der Erdgeschichte genannt, in dem sowohl die Nord- als auch die Südpolregion der Erde dauerhaft von Eisschilden bedeckt sind. Das ist aktuell seit 2,6 Millionen Jahren der Fall. Die Antarktis ist bereits seit etwa 34 Millionen Jahren vereist, die Arktis seit 2,6 Millionen Jahren. Nach einer anderen Definition spricht man schon von einem Eiszeitalter, wenn nur eine Polregion dauerhaft vereist ist – das wäre dann also schon seit 34 Millionen Jahren der Fall.
  2. Das Warmklima ist der Gegenbegriff zum Eiszeitalter. Es beschreibt Phasen der Erdgeschichte, in denen es so warm ist, dass es kein Eis auf der Erde gibt. Die Durchschnittstemperatur auf der Erde beträgt während eines Warmklimas etwa 20 bis 25 Grad. Zuletzt gab es das auf der Erde zum Ende des Tertiärs vor 5,3 bis 2,6 Millionen Jahren (die aktuelle Durchschnittstemperatur beträgt im Vergleich dazu etwa 15 bis 16 Grad). In der gesamten Erdgeschichte überwiegt das Warmklima zeitlich gesehen deutlich gegenüber den Eiszeitaltern.
  3. Als Kaltzeiten werden die kälteren Abschnitte während eines Eiszeitalters genannt, in denen sich die Eisschilde ausbreiten. Da sehr viel Wasser im Eis gebunden ist, sinkt der Meeresspiegel in dieser Zeit deutlich ab. Zum Höhepunkt der letzten Kaltzeit (Weichselkaltzeit) vor etwa 20.000 Jahren lag er etwa 130 Meter tiefer als heute. Das Gebiet der heutigen Nordsee war damals fast komplett Festland. Die sich von Skandinavien ausbreitenden Gletscher stießen bis etwa zur Elbe vor. Das Emsland war das letzte Mal während der vorletzten Kaltzeit („Saale-Komplex“) komplett von bis zu 300 Meter dickem Gletschereis bedeckt.
  4. Die Warmzeit ist der Gegenbegriff zur Kaltzeit. Sie beschreibt die wärmeren Abschnitte während eines Eiszeitalters, in denen das in den Kaltzeiten gebildete Gletschereis wieder schmilzt und den Meeresspiegel deutlich ansteigen lässt. Seit rund 11.600 Jahren leben wir in einer solchen Warmzeit. Die Dauer der Warmzeiten ist mit etwa 10.000 bis 15.000 Jahren deutlich geringer als die der Kaltzeiten, die rund 100.000 Jahre andauern.
Eine Übersicht über die Erdzeitalter und die letzten Kalt- und Warmzeiten finden Sie unter folgendem Link: www.geopark-emsland.de.

Die Gründe für so drastische Klimaveränderungen im Laufe der Erdgeschichte sind vielfältig. Dabei spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:
  1. Innere Prozesse, wie z. B. die Verdunkelung durch Aschewolken bei starken Vulkanausbrüchen oder die veränderte Lage der Kontinente durch die Plattentektonik.
  2. Äußere Einflüsse, wie z. B. Schwankungen der Sonnenaktivität, periodische Änderungen der Erdumlaufbahn und der Erdachse sowie große Meteoriteneinschläge.
  3. Rückkopplungseffekte (z. B. durch Eis und Wasserdampf): Eisflächen sind sehr hell und reflektieren dadurch mehr Sonnenlicht und -wärme zurück ins Weltall als dunkle, eisfreie Oberflächen. Dadurch wird es kälter und es entstehen noch mehr eisbedeckte Flächen (Eis-Albedo-Rückkopplung). Umgekehrt verhält es sich mit Wasserdampf, der als Treibhausgas die Temperaturen ansteigen lässt, wodurch wiederum noch mehr Wasser verdampft.
Der Einfluss des Menschen
Seit der industriellen Revolution beeinflusst auch der Mensch das Klima spürbar, vor allem durch das Verbrennen fossiler Rohstoffe. Dadurch erhöht sich der CO2-Anteil in der Atmosphäre, was zu einem verstärkten Treibhauseffekt und zum Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur führt.
Im Emsland hat zudem die Entwässerung und Kultivierung der ehemals großen Moorkomplexe zu einem zusätzlichen CO2-Ausstoß geführt. An trockenen Torf gelangt im Gegensatz zu nassem Torf Luftsauerstoff. Dieser führt zu einer Zersetzung des Torfs durch Mikroorganismen. Dabei wird der Kohlenstoff, der bei der Moorentstehung über Jahrtausende gebunden wurde, wieder an die Atmosphäre abgegeben.
Durch diesen massiven menschlichen Einfluss auf das Klima ist es sehr unwahrscheinlich, dass es in absehbarer Zeit zu einer neuen Kaltzeit kommt – auch wenn diese rein statistisch gesehen nach 11.600 Jahren Warmzeit bald anstehen könnte.


Gut zu wissen

Autor:in

Nationaler Geopark Emsland
Helter Damm 11 a
49716 Meppen

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